Meilensteine im ReKo-Projekt beim 6. Regionalen Projekttreffen

11. Oktober 2022

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Das inzwischen 6. Regionale Projekttreffen des ReKo-Projektes fand am 29.09.2022 in einer digitalen Runde statt und hatte mit über 30 Teilnehmern und Kooperationspartnern erfreulicherweise eine hohe Resonanz.

Projektleiter Thomas Nerlinger begrüßte die Teilnehmenden und stellte die neuen ReKo-Kooperationspartner – Stadt Lingen (Ems) und die Physiotherapiepraxis Chessa & Lerch – sowie die Gäste Silvia Krüger sowie Chris Behrens von der AOK Nord-Ost (Leitung AOK-Pflegeberatung und Pflegestützpunkte aus Berlin) vor.

„Wir erfahren mit unseren ReKo-Projektaktivitäten erfreulicherweise zunehmend regionale und überregionale Aufmerksamkeit“, leitete Nerlinger ein und ergänzte: „Unser ReKo-Verbund wächst stetig. Als Konsortialpartner im ReKo-Konsortium mit der DAK-Gesundheit und Universität Osnabrück haben wir mit unserer Gesundheitsregion EUREGIO als Case Management Organisation mittlerweile mit über 25 Kommunen, Krankenkassen und Leistungserbringern Kooperationsverträge geschlossen, die offiziell vom Projektträger genehmigt wurden. Hierzu zählen die Landkreise Grafschaft Bentheim/Emsland, die Stadt Lingen (Ems), Arztpraxen, therapeutischen Praxen, Pflegeeinrichtungen, Apotheken, Krankenhäuser und weitere Leistungserbringer, die überwiegend zum Kreis der 183 Vereinsmitglieder unserer Gesundheitsregion EUREGIO zählen. Nur gemeinsam kann ein pflegeorientiertes Case Management mit einem digitalen Ökosystem zur Unterstützung der Kommunikation zwischen den beteiligten Akteuren dazu beitragen, die Versorgungssicherheit und -qualität in unser ländlich geprägten Region zu verbessern. Daher sind interessierte Leistungserbringer als neue Kooperationspartner jederzeit herzlich willkommen.“

Nerlinger berichtete zu Beginn über das Erreichen der angestrebten Fallzahl in der Modellregion als einen sehr bedeutsamen Meilenstein im ReKo-Projekt: „Trotz der Corona-Pandemie konnten wir bis Ende Juli 1.135 auf Hilfe angewiesene Klient*innen in den Landkreisen Grafschaft Bentheim und Emsland in das Projekt einschreiben und durch unser Case Management Team vor Ort versorgen. Das angestrebte Ziel von 1.224 konnte so nahezu erreicht werden. Das war ein großer Kraftakt und wir bedanken uns als ReKo-Team bei allen Kooperationspartnern und ihren Teams, Bürgermeistern und Beteiligten für die tatkräftige Unterstützung“, so Nerlinger.

Hanna Reurik (ReKo-Koordinatorin im Landkreis Grafschaft Bentheim) und Anne Döbber (stellvertretende ReKo-Koordinatorin im Landkreis Emsland) berichteten im Anschluss aus der Praxis des Reko-Case-Managements. Die aktuell 15 DGCC-zertifizierten ReKo-Case Manager*innen sind dezentral an 12 Standorten in der Modellregion der Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland im Einsatz. Darüber hinaus unterstützt das Universitätsklinikum Münster (UKM) mit seiner langjährigen Fachexpertise beim klinischen Case Management. Zu den Aufgaben des ReKo-Case Managements zählt die aufsuchende und wiederkehrende Beratung der eingeschriebene Klient*innen, die Unterstützung bei der Nutzung der technischen Unterstützungsmöglichkeiten, der Netzwerkaufbau mit den Kooperationspartnern und Leistungserbringer sowie die Begleitung bei den „Pflegetischen“, die unter Federführung der Bürgermeister durch die Arbeitsgemeinschaft Pflege (AGP) mit Unterstützung des Pflegestützpunktes regelmäßig in der Grafschaft Bentheim vor Ort veranstaltet werden.

Weitere Themen waren die Verteilung der Pflegebedürftigen in der Modellregion und die sich daraus ergebenen Erfordernisse für die Case Management Arbeit. Hierzu wurden Zahlen, Daten und Fakten vorgestellt. Auffällig ist beispielsweise der Unterschied in der Modellregion hinsichtlich der vermittelnden Kooperationspartner. Während im Emsland die Sozialdienste der beteiligten Krankenhäuser überdurchschnittlich viele Klient*innen an das ReKo-Case-Management vermittelten, konnte der Großteil der Klient*innen in der Grafschaft durch den Pflegestützpunkt des Landkreises vermittelt werden.

Im Anschluss berichtete Gert Lödden, Sozialdezernent beim Landkreis Grafschaft Bentheim, zur Freude aller Teilnehmenden über einen weiteren erreichten Meilenstein. „Um die Unterstützung durch das Case Management auch über das Interventionsende weiter anbieten zu können, sollen ab 2023 übergangsweise insgesamt 3,5 Vollzeitstellen beim Pflegestützpunkt des Landkreises Grafschaft Bentheim dezentral in der Grafschaft Bentheim zur ReKo-Fortsetzung als sogenannte „Brückenfinanzierung“ geschaffen werden – hälftig finanziert durch den Landkreis und die beteiligten Kommunen. In jeder Grafschafter Kommune wird so eine halbe Stelle zur Umsetzung des Case Managements vor Ort geschaffen. Die Beschlüsse in den Gemeinden sind teilweise bereits eingeholt bzw. werden von den Bürgermeistern mit einem positiven Beschlussvorschlag eingebracht. Die Finanzierung ist ausdrücklich als Brückenfinanzierung zu sehen. Unser Ziel ist es, dass wir in zwei oder drei Jahren klare Regelungen des Gesetzgebers haben und wir dann eine eigenständige Finanzierung z. B. über die Pflegekassen sicherstellen können“, so Lödden der in diesem Zusammenhang auf die Befristung der Brückenfinanzierung verweist.

Zum Hintergrund: Die sogenannte „Interventionsphase“ im ReKo-Projekt endet in knapp einem Jahr im Juli 2023. Die Arbeitsverträge mit allen Case Manager*innen bei der Gesundheitsregion EUREGIO laufen einen Monat später aus. Die sogenannten „Evaluationsergebnisse“ der Universität Osnabrück zu den Effekten des ReKo-Case Management liegen frühestens 2024 vor. Erst dann folgen politische Beratungen unter Federführung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) zur Überführung des ReKo-Versorgungsangebotes in die flächendeckende Regelversorgung auf Landes- und Bundesebene.

Prof. Dr. Thomas Klie, der dem ReKo-Konsortium beratend zur Seite steht, lobte das Engagement des ReKo-Teams der Gesundheitsregion EUREGIO und die Bereitschaft beider Landkreise, das Projekt weiter fortzusetzen. Die Modellregion Grafschaft Bentheim/Emsland der Gesundheitsregion EUREGIO gilt in Niedersachsen in gewisser Weise als „Vorzeigeregion“.
Klie führte im einzelnen aus: „Innovationsfondsprojekte sollen einen Beitrag zur Weiterentwicklung der gesundheitlichen und pflegerischen Versorgung leisten. Es sind nicht Modellprojekte im herkömmlichen Sinne, sie sind darauf ausgerichtet, verstetigt und übertragen zu werden. Nun ist ein Strukturproblem der Innovationsfondsprojekte darin zu sehen, dass nach Abschluss des Projektes in der Regel mehrere Jahre vergehen, bis die Evaluationsergebnisse vorgelegt und umgesetzt werden. Dann wurden Kompetenzstrukturen wieder aufgelöst und muss von Neuem begonnen werden. Auch ist bei komplexen Interventionen und komplex angelegten Innovationsfondsprojekten, die doch sehr naturwissenschaftlich ausgerichtete Evaluation häufig nicht angemessen. Auch bei ReKo handelt es sich um ein Innovationsfondsprojekt. Schon vor Vorliegen der Ergebnisse der wissenschaftlichen Evaluation, die mit einem anspruchsvollen Evaluationskonzept verfolgt wird, haben die beteiligten Landkreise ReKo nicht nur ein gutes Zeugnis ausgestellt, sondern ReKo attestiert, dass es wirkt. Man braucht übergreifende und suffiziente Care und Case Management-Konzepte – verbunden mit digitalen Lösungen. Insofern ist es ein Zeichen für den Erfolg des Projektes, dass die beiden Landkreise Grafschaft-Bentheim und Emsland das ReKo-Projekt in ihren Pflegestützpunkten eine Perspektive geben und Mitarbeiter*innen übernehmen wollen. Die Kreistagsbeschlüsse stehen noch aus, die politische Absicht ist aber verbindlich formuliert. Auch das Land zeigt sich interessiert, auch wenn es sich, wahrscheinlich zurückzuführen auf den aktuellen Wahlkampf und die anstehende neue Regierungsbildung, noch nicht im Einzelnen festlegen mag. ReKo passt aber in die große Linie der Landespflegepolitik, die den Kommunen eine stärkere Rolle zuweisen möchte und auch im Care und Case Management verbunden mit Planung eine wichtige Perspektive für die Weiterentwicklung der Pflege in Niedersachsen sieht. Es ist der Gesundheitsregion EUREGIO und der DAK zu verdanken, dass dieses Projekt in professioneller Weise initiiert wurde und umgesetzt werden konnte. Und es ist den Mitarbeiter*innen in dem ReKo-Projekt bei der Gesundheitsregion EUREGIO zu danken, dass sie so überzeugende Arbeit geleistet haben, dass sie diese hoffentlich unter anderen Vorzeichen weiterführen können.“

Chris Behrens (Leiter der AOK-Pflegeberatung und Pflegestützpunkte aus Berlin bei der AOK Nord-Ost) signalisierte großes Interesse beim Transfer des ReKo Case Management aus der Niedersächsischen Modellregion der Gesundheitsregion EUREGIO insbesondere nach Brandenburg in den Landkreis Uckermark. Die Rahmenbedingungen in Brandenburg mit den bereits vorhandenen Pflegestützpunkten – betrieben durch Kommunen und Pflegekassen – und den aktuellen Fördermöglichkeiten „Pakt für Pflege“ und „Pflege vor Ort“ der Brandenburgischen Landesregierung wären ideal für Transferaktivitäten und eine Weiterentwicklung der bereits guten Strukturen in Brandenburg. Mit der Hospitation von Chris Behrens und Silvia Krüger in der ReKo-Modellregion in Nordhorn und Lingen (Ems) vor einigen Wochen wurde hierfür bereits ein wichtiger Grundstein für Transfermöglichkeiten gelegt. „Ich freue mich, Thomas Nerlinger stellvertretend für das ReKo-Team beim Brandenburger Pflegetag am 05.10. in Potsdam begrüßen zu dürfen. Gemeinsam mit den politischen Verantwortlichen des Landes Brandenburg und dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) sowie den Akteuren vor Ort werden wir die Transfermöglichkeiten ausloten“, so Behrens und ergänzte: „Ich bescheinige dem ReKo-Team ein hohes Kompetenz- und Innovationspotential und danke der Gesundheitsregion EUREGIO mit ihrem Team schon jetzt ganz herzlich für die Offenheit, den Teamgeist und die Transferbereitschaft.“

Nach diesem fachlichen Input ging es weiter mit IT-technischen Bereich. Auch hier konnten in den letzten Monaten wichtige Meilensteine erreicht werden. So hat die Gesundheitsregion EUREGIO im ReKo-Projekt ein dynamisches Informationsportal geschaffen, bei dem die aktuellen Hilfsangebote unterschiedlicher Leistungserbringer für die Bürger*innen über die ReKo-Website https://www.rekopflege.de/versorgungsangebot/suche-externe-hilfsangebote/ öffentlich zugänglich sind.

Als weiteren wichtigen Meilenstein können die Klient*innen und Leistungserbringer respektive Kooperationspartner nunmehr auch das ReKo-Portal „Quovero“ zur Unterstützung beim Informationsaustausch im ReKo-Projekt im Sinne eines „digitalen Ökosystems“ nutzen. Dieses ReKo-Portal wurde live von den Projektverantwortlichen René Amboß und Natalie Kaminsky der Firma synectic aus Berlin präsentiert. Es wurden Funktionen wie der Chat, Video-Telefonie, die Dateiablage und der Terminkalender vorgestellt. Aktuell hat das ReKo-Team bereits 170 Tablets an die interessierten ReKo-Klient*innen ausgegeben, von denen bereits 40 Klientinnen und Klienten nach kurzer Zeit das Patientenportal mit Unterstützung der Case Manager*innen aktiv nutzen.

In einem Exkurs richtete sich der Blick auf die sogenannte „Telematikinfrastruktur (TI)“ im Gesundheitswesen. Ärzt*innen, Apotheker*innen, Physiotherapeut*innen, Hebammen und Pflegeeinrichtungen haben gemeinsam mit den GKV-Versicherten die Möglichkeit der Nutzung der bundesweiten sicheren Datenautobahn im Gesundheitswesen. „Wir sind als Gesundheitsregion EUREGIO dankbar und stolz darauf, mit Unterstützung des Landes Nordrhein-Westfalen über das elektronische Gesundheitsberuferegister (eGBR) bei der Bezirksregierung Münster und der Gematik in Berlin bundesweit als erste Case Management Organisation und komplementäre Pflegeeinrichtung an die TI angebunden zu sein. So sind wir in der Lage, auch über das ReKo-Portal mit Leistungserbringern zu kommunizieren (z. B. über die Anwendung „Kommunikation im Medizinwesen – KIM“) und dabei die Informationen der elektronischen Patientenakten (ePA) mit Einverständnis der beteiligten ReKo-Klient*innen zu nutzen. Prof. Dr. Frank Teuteberg von der Universität Osnabrück, im ReKo-Konsortium für die IT-Evaluation verantwortlich, erläuterte das Potential der TI zur Unterstützung der praktischen ReKo-Case Management. So könnte u. a. die Dokumentation von Berichten einfacher und schneller erstellt und verschickt werden oder der Workflow durch Benachrichtigungen (z.B. Erinnerungen), die Nutzung des elektronischen Rezeptes (eRezept) oder der ePA verbessert werden. „Wichtig hierfür sei noch eine technische Vereinfachung der TI-Anwendungen für die Leistungserbringer und der ePA bei den Versicherten/Patienten. Nur wenn Mehrwerte bei der Nutzung für alle Beteiligten spürbar werden und so von den Krankenkassen und Leistungserbringern kommuniziert werden, steigt auch das Interesse und die Akzeptanz der TI-Anwendungen“, so Teuteberg und Nerlinger gleichermaßen.

Thomas Nerlinger beendete das Online-Treffen nach einem informativen und konstruktiven Austausch. Das nächste 7. Regionale Projekttreffen findet im März 2023 statt. Neue interessierte Kooperationspartner sind herzlich willkommen.

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Thomas Nerlinger

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Thomas Nerlinger

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